Kältekammer

 

Kälteanwendungen

 

Die Medizin unterscheidet zwischen lokalen kältetherapeutischen Verfahren und der Ganzkörperkältetherapie
Bei den lokalen Verfahren wird der zu behandelnde Bereich entweder kaltem Wasser bzw. Eis oder kalter Luft ausgesetzt.

In der Ganzkörperkältetherapie (GKKT) wird in einer Kammer der gesamte Körper der Kälte ausgesetzt. Dieses Verfahren wurde von dem Japaner Yamaushi entwickelt und zunächst bei entzündlich-rheumatischer Erkrankung eingesetzt. Seit etwa 1985 wurde die GKKT durch Prof. Fricke erstmalig in Deutschland im Rheumazentrum Sendenhorst bei Münster/Westf. eingesetzt. Ursprünglich wurden durch ein aufwändiges und teures Verfahren durch flüssigen Stickstoff Temperaturen zwischen –100° und –160° C erzeugt. Aufgrund einer verbesserten Technik ist es heute möglich, eine effiziente Kaltlufttherapie in Kältegraden von –60° bis –110° C  in Kältekammern bzw. bis –30° C in der lokalen Kaltlufttherapie durchzuführen.

 

Wirkungsweise

 

Lokale kältetherapeutische Verfahren
- Kaltluft/Kryo-Jet


Entscheidend beim Kaltluftverfahren sind für die Kühlung der Hautoberfläche die Einwirkungszeit der Kälte und die Windgeschwindigkeit (Flow), mit der die Kaltluft über die Haut streicht. Angestrebt wird die Abkühlung der Haut von ca. +35° C auf ca. +10° C mit einem langzeitigen Regulationseffekt für den gesamten Organismus.

 

Die Ganzkörperkältetherapie GKKT


Im Unterschied zur lokalen Kryotherapie wirkt die Ganzkörperkältetherapie nicht über die Abnahme der Gewebetemperatur, sondern in erster Linie nervös reflektorisch: Die max. Stimulation der sog. Kryorezeptoren hemmt zentral den Schmerzinput und verändert eine Reihe biochemischer und hormoneller Prozesse. Die max. Stimulation der A-Delta-Fasern über die Kryorezeptoren hemmt die Nozizeptoren zentral. Diese Schmerzreduktion wird von einer Abnahme der Endorphine, der Dopamine und der Serotoninkonzentration und einem Cortisonabfall begleitet. Über die Blockade der Gamma-Neurone wird vermutlich auch die Muskulatur relaxiert. Hierüber hinaus ließ sich zeigen, dass bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unter der Therapie die Lymphozyten signifikant abnehmen (spezifisch die T-Helferzellen), während die T-Supressorzellen sogar zunehmen. Daher wird ein immunmobilisierender Effekt der Ganzkörpertherapie vermutet.

 

Indikationen

 

  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  • deg.-rheumatische Erkrankungen
  • Hauterkrankungen mit entzündlicher Komponente (Neurodermitis)
  • Bandscheibenschäden
  • Knie- und Hüftprothesen
  • lokalisierter Weichteilrheumatismus
  • Fibromyalgie

 

Wirkung

 

  • Verbesserung der Funktions-, Gelenk- und Beweglichkeitsmaße
  • Grundlagen für eine wirkungsvolle Krankengymnastik
  • entzündungshemmend
  • durchblutungsfördernd
  • schmerzlindernd
  • muskelkrampflösend

 

Kontrakindikationen

 

  • Erhöhte Kälteempfindlichkeit
  • Raynaud-Syndrom
  • Kälteallergie
  • periphere Durchblutungsstörungen
  • Nieren- und Blasenleiden
  • schwere Herz- und Kreislauferkrankungen

 

Kältetherapeutische Verfahren in der Übersicht

 

 

Methode

Temperatur in Grad Celsius

Anwendungsdauer

Kaltwasser

+15 bis +20

3 bis 5 Minuten

Eishandtuch

0 bis +4

3-4 Minuten

Eisabreibung

0 bis +4

3-4 Minuten

Eisbeutel

 

1/2 bis 1 Stunde

Eiswasser

 

1-3 Minuten

Kältepackungen

-5

1/2 Stunde

Kaltluft

-30

2-3 Minuten

GKKT

-64 oder -110

3 Minuten

 

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Ihr Ansprechpartner:

 

Gerd Schneider

Tel.: +49 (0 63 43) 9 49-755
E-Mail: g.schneider(at)reha-bza(punkt)de